Eine Stammzellspende ist ein medizinisches Verfahren, bei dem gesunde Blutstammzellen von Spender*innen auf Patient*innen übertragen werden. Blutstammzellen sind die Ursprungszellen unseres Blutes und befinden sich hauptsächlich im Knochenmark. Sie besitzen die einzigartige Fähigkeit, sich in alle Arten von Blutzellen zu entwickeln: rote oder weiße Blutkörperchen und Blutplättchen. Bei einer Stammzellspende wird ein kleiner Teil dieser lebenswichtigen Zellen entnommen und Patient*innen mit einer schweren Blutkrankheit transplantiert, um deren blutbildendes System zu erneuern und zu heilen. Dabei entstehen keine gesundheitlichen Nachteile für die gesunden Spender*innen. Es gibt zwei Methoden zur Gewinnung von Stammzellen – die periphere Stammzellspende sowie die Knochenmarkentnahme.

Die Herausforderung bei der Stammzellspende ist, passende Spender*innen, also den „genetischen Zwilling“, zu finden. Dabei handelt es sich um zwei Personen, deren Gewebemerkmale, insbesondere die HLA-Merkmale (Human Leukocyte Antigens), nahezu identisch sind. Diese Übereinstimmung ist entscheidend für den Erfolg einer Stammzelltransplantation. Es gibt Millionen verschiedener HLA-Kombinationen, was die Suche nach passenden Spenderinnen zu einer Herausforderung macht. Bei Geschwistern besteht eine 25%ige Chance, HLA-identisch zu sein. Für 70-80% der Patient*innen muss jedoch eine nicht verwandter Spender*in gefunden werden, wobei die Chance HLA-kompatibel zu sein, zwischen 1:20.000 bis mehrere Millionen liegt. Daher ist es so wichtig, dass sich möglichst viele Menschen als potentielle Spender*innen registrieren lassen – jeder könnte der lebensrettende „genetische Zwilling“ für einen Patient*in sein.

Gesunde Personen im Alter von 17 bis 55 Jahren und mit festem Wohnsitz in Deutschland dürfen sich als Stammzellspender*innen registrieren (17-Jährige werden ab dem 18. Geburtstag aktiviert). Man kann jedoch nur bei einer einzigen Stammzellspenderdatei registriert sein. Ausschlusskriterien sind schwere Herz-, Lungen- oder Nierenerkrankungen, sowie neurologische oder psychiatrische Erkrankungen. Krebserkrankungen (auch geheilt), Autoimmun- und Infektionskrankheiten wie HIV oder Hepatitis B und C, als auch starkes Übergewicht (BMI über 40) schließen ebenfalls eine Registrierung aus.

Die Registrierung geht schnell und unkompliziert. Nachdem du deine Kontaktdaten angegeben und ein paar Fragen zu deiner Gesundheit beantwortest hast, erhältst du von uns drei Wattestäbchen. Diese werden für jeweils eine Minute an der Wangeninnenseite gerieben. Aus den dabei gesammelten Schleimhautzellen können im Labor die für die Transplantation relevanten Gewerbemerkmale (HLA-Merkmale) herausgelesen werden. Diese werden dann in einer Datenbank gespeichert und stehen für die Spender*innensuche zur Verfügung. Bei der Suche nach passenden Spender*innen arbeiten diese Datenbanken auch international zusammen.

Wir arbeiten mit deutschen Spender*innendatenbanken zusammen. Damit diese dich schnell und zuverlässig kontaktieren können, wenn du als Spender*in in Frage kommst, benötigst du einen festen Wohnsitz in Deutschland. Wenn du in einem anderen Land lebst (und für Erasmus, PhD etc. nur temporär in Deutschland bist), kannst du dich in einer Datenbank dieses Landes registrieren. Letztlich arbeiten alle Datenbanken weltweit zusammen, und es wird für alle Patient*innen international nach einem Match gesucht, doch die Entnahme lässt sich am besten regional organisieren.

Nein, bitte nicht. Wenn du dich irgendwann schon einmal als Stammzellspender*in registriert hast (z. B. im Rahmen eines Aufrufs für Patient*innen oder in der Schule), haben wir alle benötigten Informationen. Dabei spielt es auch keine Rolle, bei welcher Datenbank du dich registriert hast (z. B. DKMS oder DSD), da alle Informationen im bundesweiten ZKRD-Register zusammenlaufen. Wenn du dich erneut registrierst, verursacht das nur unnötige Kosten und Aufwand.

Diese Information hilft dabei, die Wahrscheinlichkeit eines Matches schneller vorhersagen zu können. In verschiedenen Regionen der Welt sind die Gewebemerkmale, die für eine erfolgreiche Spende übereinstimmen müssen, unterschiedlich häufig anzutreffen. Entsprechend steigt die Wahrscheinlichkeit, dass unter Menschen mit ähnlicher Herkunft ein Match vorliegt.

Da in Europa und Nordamerika verhältnismäßig mehr Menschen registriert sind, haben insbesondere Menschen mit nicht-europäischem Hintergrund häufig größere Schwierigkeiten, ein Match zu finden. Daher ist es ein wichtiges Ziel, einen diversen, weltweit aufgestellten Spender*innenpool aufzubauen.

Nein, natürlich kannst du bis zur Spende jederzeit frei entscheiden, ob du die Spende durchführen kannst und möchtest. Auch deine Informationen bei der Datenbank kannst du jederzeit löschen lassen. Manchmal sprechen auch medizinische Gründe oder eine Schwangerschaft gegen die Spende. Grundsätzlich sollte dir bei der Registrierung jedoch bewusst sein, dass du als Spender*in in Frage kommen könntest und dir die Spende grundsätzlich vorstellen können solltest, da an einem Match natürlich auch Hoffnung und Chancen für die Patient*innen hängen.

Periphere Stammzellspende – ca. 90%

Die Spender*innen erhalten über 4-5 Tage ein körpereigenes Protein (G-CSF), das die Produktion von Stammzellen anregt und diese aus dem Knochenmark in das Blut ausschwemmt. Am Tag der Spende wird das Blut über einen Venenzugang am Arm entnommen, die Stammzellen herausgefiltert und das restliche Blut über einen Zugang am anderen Arm zurück in den Körper geleitet. Dieser Vorgang dauert ca. 3-5 Stunden und kann ambulant durchgeführt werden.

Knochenmarkentnahme – ca. 10%

Diese Methode erfolgt unter Vollnarkose im Krankenhaus.
Den Spender*innen wird etwa ein Liter Knochenmark-Blut-Gemisch aus dem Beckenkamm entnommen. Der Eingriff dauert etwa eine Stunde und die Spender*innen bleiben für 2-3 Tage
im Krankenhaus.

Die Stammzelldatenbanken organisieren die Spende in einem möglichst nahe bei dir gelegenen Krankenhaus. Dabei sind sie stets darauf bedacht, dass du möglichst wenig Aufwand hast und organisieren dir Fahrt und Hotel und erstatten Kosten wie Verdienstausfälle.
Die Zellen werden dann mit einem Kurier so schnell wie möglich zum Empfänger*in gebracht.

Nein, die Stammzellspende hat nichts mit dem Rückenmark (Teil des zentralen Nervensystems) oder der Wirbelsäule zu tun. Heutzutage werden die Stammzellen in den meisten Fällen aus der Vene entnommen, in circa 10 % der Fälle werden sie im Rahmen einer Operation aus dem Beckenknochen gewonnen.

Ein gesunder erwachsener Mensch kann einen Teil seiner Stammzellen problemlos abgeben. Nach der Spende teilen sich die Stammzellen wieder und verteilen sich in den Knochen um. Auch sonst hält dein Körper seinen Pool an blutbildenden Zellen auf diese Weise konstant und gesund.